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Neuer Tunnel reduziert Durchgangsverkehr im Stadtkern
08 septembre 2020

Neuer Tunnel reduziert Durchgangsverkehr im Stadtkern

Die Umleitung der B 417 durch einen neuen Tunnel soll die Innenstadt der Grafenstadt Diez um bis zu 10.000 Fahrzeuge am Tag entlasten. Dyckerhoff liefert den Beton für das spannende Bauvorhaben.

Die viel befahrene und auch von Schwerlastverkehr frequentierte Bundesstraße B 417 führt von Nassau über Limburg an der Lahn bis nach Wiesbaden. Um die Innenstadt von Diez (Rheinland-Pfalz), durch die die B 417 verläuft, zu entlasten soll sie umgangen werden. Zu diesem Zweck werden gerade eine ca. 335 m lange unterirdische Umfahrung sowie ein Kreisverkehrsplatz (am Westportal) und dessen Anschlussäste gebaut. Der Bauherr, die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch den regionalen Landesbetrieb Mobilität Diez (LBM Diez), beauftragte das in München ansässige und auf Tunnelbauprojekte spezialisierte Unternehmen Alfred Kunz Untertagebau, eingetragene Niederlassung der August Reiners Bauunternehmung GmbH in Bremen, mit dem Bau des Tunnels.

Mit 200 m entsteht der größte Teil des Gewerkes in offener Bauweise. Etwa 135 m werden in bergmännischer Bauweise errichtet. Die Fahrbahnbreite im Tunnel beträgt 7,50 m. Für den Bau war es nicht nur erforderlich einen Abwasserkanal zu verlegen, der Tunnel quert die Eisenbahnstrecke 3710 Gießen - Koblenz auch zweimal in offener Bauweise. Damit diese auch während der Bauphase befahrbar blieb, wurden Hilfsbrücken über die Baugrube errichtet, die teilweise während des Baus um- und auf dem bereits fertig gestellten Tunnelblock abgesetzt werden mussten.


Übersichtslageplan des neuen Tunnels mit Kreisverkehrsplatz am Westportal (Quelle: LBM Diez, März 2017)

Das Transportbetonwerk Hadamar der Dyckerhoff Beton Rheinland-Pfalz, unterstützt vom Werk Nentershausen, liefert für den Tunnelbau insgesamt etwa 16.000 m³ Beton – ausschließlich in den Konsistenzklassen F4 bzw. F5.

Der größte Anteil der Betonlieferungen entfällt mit etwa 40 % auf einen Polypropylen-Faserbeton der Festigkeitsklasse C30/37 und Konsistenz F5 (M 6 Fire) für Wände, Decken und Tunnelgewölbe auf Basis von Dyckerhoff HOZ Doppel, einem Hochofenzement der Güte CEM III/A 42,5 N aus dem Werk Neuwied. Die Polypropylen-Fasern dienen dem Brandschutz. Für den Bau des Gewölbes wurde der Beton mit einer Betonpumpe über eine ca. 90 m lange Rohrleitung bis in den Schalwagen gefördert. Um eine reibungsfreie Betonage zu gewährleisten, waren ständig sechs Fahrmischer im Umlauf. Die Bodenplatten wurden mit rund 4.500 m³ Beton der Festigkeitsklasse C 30/37 und Konsistenz F4 gebaut, der ebenfalls mit Dyckerhoff HOZ Doppel aus Neuwied hergestellt wurde. Gut 20 % der Gesamtbetonmenge wurde als Spritzbeton der Festigkeitsklasse C25/30 mit der Konsistenz F5 geliefert. Basis hierfür war Dyckerhoff PZ Dreifach SB, ein Portlandzement der Güte CEM I 52,5 R (sb) mit sehr schneller Frühfestigkeits- und hoher Endfestigkeitsentwicklung aus dem Werk Deuna. Beim Bau des Tunnels in bergmännischer Bauweise mussten die Ortsbrust und die Abschlagslänge – so wird der Bereich bezeichnet, an dem der Abschlag des Gesteins und der Vortrieb des Tunnelhohlraumes erfolgen – nach jeder Sprengung unverzüglich mit Spritzbeton gesichert werden. Der Spritzbeton wurde daher täglich von 7 Uhr bis 21 Uhr geliefert. Das bedeutete eine große Anforderung an TB-Werk und Logistik, die in dieser Zeit im Zweischichtbetrieb arbeiteten.

Beim Bau des Tunnels in offener Bauweise gab es im Frühjahr leichte Verzögerungen im Zuge der Corona-Pandemie, weil benötigte Schalelemente nicht rechtzeitig geliefert werden konnten. In den Sommermonaten sind die Bauarbeiten jedoch gut vorangeschritten, so dass die Tunnelinnenschale des bergmännischen Tunnelabschnitts und das Ostportal pünktlich fertiggestellt werden konnten. Ende Juli 2020 waren bereits etwa 90 % des Tunnels in offener Bauweise im Rohbau hergestellt und bis Mitte August die Hilfsbrücken für den Schienenverkehr abgebaut. Auch die für das Jahr 2020 vorgesehenen Anschlussarbeiten wie die Verfüllung des Tunnels in offener Bauweise und die Fertigstellung des Tunnelrohbaus können wie geplant durchgeführt werden. Im Jahr 2021 werden noch die Tunnelausstattung, der Straßenbau sowie der Bau eines Havariebeckens und eines Betriebsgebäudes fertiggestellt. Nach etwa vierjähriger Bauzeit, die auch den Bau einer neuen Aarbrücke einschließt, sollen Ende 2021 die ersten Fahrzeuge über die neue Strecke der B 417 fahren.

Weitere Informationen unter https://lbm.rlp.de/de/themen/grossprojekte/b-417-tunnel-diez/.

Fotos: LBM Diez